Kann man das Kombucha-Getränk
wirklich selbst zubereiten?

 Eine Erwiderung von Günther W. Frank an einen Arzt 


Dies ist die Kopie eines Briefes, den ich am 27. Februar 1990 an einen Arzt schrieb, der sich für das fabrikmäßig hergestellte Kombuchagetränk eingesetzt und behauptet hatte, man könne den Kombucha-Tee nicht selbst zubereiten. Ich erhielt darauf keine Antwort.

Günther W.Frank         
Genossenschaftsstraße 10         
75217 Birkenfeld         

Kann man das Kombucha-Getränk selbst zubereiten?

Sehr geehrter Herr Dr. Allwissend (der Name wurde geändert),

ich freue mich, daß Sie sich, zum Wohle Ihrer Mitmenschen, dafür einsetzen, daß das uralte und bewährte Naturhausmittel KOMBUCHA wieder zu dem ihm gebührenden Ansehen kommt.

Es irritiert mich jedoch etwas, daß Sie sich den Warnungen der Hersteller des Fertiggetränks anschließen, das Kombuchagetränk nur ja nicht in den Haushaltungen selbst zuzubereiten - und das, obwohl das Kombuchagetränk seit alters in den Familien zubereitet wurde und nicht in Fabriklabors - sonst wäre der Kombucha-Pilz längst ausgestorben.

Darf ich mir deshalb die Anfrage erlauben, auf welchen Tatsachen und Quellen Ihre diesbezüglichen Aussagen beruhen?

Ich kann es verstehen, wenn die Hersteller des Fertig-Kombuchas davor warnen, das Getränk selbst zu produzieren. Deren Gewinn hängt immerhin davon ab, daß die Leute das fertige Getränk kaufen. Bei den angegeben Dosierungsempfehlungen, die ohne Zweifel richtig sind, können sich viele Leute das Fertiggetränk auf längere Sicht oft nicht leisten. Die Folge ist, daß die segensreiche Kombucha-Einnahme vorzeitig abgebrochen wird.

Ich halte es für eine Frage der Ethik, die Menschen - vor allem diejenigen, die sich das Fertiggetränk nicht leisten können -, nicht dadurch zu verunsichern, daß man sie vor der unproblematischen Selbstzubereitung warnt. Es gibt noch genügend andere Leute, die das Getränk aus irgendwelchen Gründen nicht selbst zubereiten wollen oder können. Sie können das fertige Produkt kaufen. Warum sollte man nicht zweigleisig fahren können?

Ich anerkenne die Warnung insofern, als die genauen Anleitungen vielfach in Vergessenheit geraten sind und die Menschen dann mit allem möglichen herumexperimentiueren, anstatt sich an erprobte Rezepte zu halten.

Darf ich als Begründung für meine Ansicht, daß die Selbstherstellung des Kombuchagetränks unproblematisch ist, wenn man sie richtig betreibt, folgende Argumente zu bedenken geben:

1. Nach allgemeiner Ansicht wurde Kombucha schon vor rund 2200 Jahren im chinesischen Kaiserreich angewandt. Die Chinesen hatten dafür keine Labors zu Verfügung. Ebenso wurde der Kombucha-Trank in den russischen Haushaltungen zubereitet - und zwar unter erheblich ungünstigeren hygienischen Bedingungen als heute in Deutschland.

All das hat der Teepilz schadlos überstanden. Jetzt auf einmal - seit rund 5 Jahren - soll man das Getränk nicht mehr selbst zubereiten dürfen?

2. Ich weiß, daß auch Dr. Sklenar, auf den sich die Herstellerfirma des Fertiggetränks immerhin beruft, das Getränk 30 Jahre lang in seinem Haus selbst zubereitet hat. Er hat den Pilz gezüchtet und an Patienten zur Selbstweiterzucht abgegeben. Er hat die Kombucha-Tropfen selbst hergestellt und billig oder gratis an seine Patienten abgegeben. Er hatte nicht große Gewinne im Sinn. Sein Ziel war, seinen Mitmenschen zu helfen.

3. In der umfangreichen Weltliteratur zu Kombucha sind nur zwei Stimmen zu finden, die vor der Selbstherstellung warnen: Wiechowski (1928) und Hermann (1929). Von ihnen ist bekannt, daß sie es für notwendig gehalten hatten, ein nach den Grundsätzen der Reinzucht hergestelltes Präparat von möglichst gleichbleibender Zusammensetzung zu haben, um damit Vergleiche für ihre klinischen Forschungen anstellen zu können. Das Präparat wurde auf ihre Veranlassung dann von den Pharmazeutischen Werken Norgine A.G. in Prag-Außig hergestellt und unter der Bezeichnung "Kombuchal" (Deutsches Reichspatent 538 028) in den Apotheken verkauft. Diese beiden "Warner" hatten also verständlicherweise auch wirtschaftliche Interessen im Auge: Sie wollten ihr "Kombuchal" verkaufen.

Ansonsten sind mir keine wissenschaftlichen Quellen bekannt, in denen von neutralen, wirtschaftlich unabhängigen und sachkundigen Autoren vor der Selbstzubereitung des Kombuchagetränks gewarnt wird.

4. Selbstverständlich muß beim Umgang mit Mikroorganismen-Symbiosen die erforderliche Sorgfalt beachtet werden. "Sterile" Bedingungen, die zu schaffen hierfür ja gar nicht möglich sind, waren und sind hierfür jedoch nie erforderlich.

5. Ich möchte hierzu einige Wissenschaftler zitieren, die mit dem Teepilz in der Praxis gearbeitet haben:

Roots (1959), der über Barbanciks (1958) Forschungen berichtet, schreibt: "Die Heilwirkung des Teepilzaufgusses - bei Anginen (akuten Tonsiliten, gastrogenenen Enteriten, dysenterischen Coliden) und die große Aktivität der Essigsäurebakterien (Acetobacterium xylinum) bei Labor-Versuchen, wenn im Teepilz Streptokokken, Diplokokken, Flexner- und Shiga-Stäbchen hineingesät werden, führen zu der Ansicht, daß die Essigsäurebakterien energisch alle anderen sie umgebenden Mikroben verdrängen (energischer Antagonismus der Mikroben)."

Und an anderer Stelle schreibt Roots: "Der Teepilzaufguß hat bakteriostatische Eigenschaften. In Lösungen von 1:25 und 1:50 hemmt er das Wachstum vieler Bakterien. Im Verlaufe von 10 Minuten bis 3 Stunden vernichtete er viele Arten von Bakterien. (...) Außer der Eigenschaft des Säuerns hat der Teepilzaufguß auch antibiotische Eigenschaften. Dies bestätigt der Tatbestand, daß nach Neutralisieren der Säure des Aufgusses die antibiotische Aktivität bestehen bleibt."

Bazarewski (1915) untersuchte die Flüssigkeiten, in denen der Teepilz wächst und stellte fest, daß die Mikroflora nicht reichhaltig war. Die sich bildene Säure hält die Entwicklung aller nicht zum Teepilzorganismus gehörenden Mikroorganismen auf.

Konovalov et al. (1959) berichtet, daß er den Teepilz sogar in offenen Glasgefäßen züchtete und schreibt: "Dabei dominiert von den Hefen im Pilzkörper der Stamm Saccharomyces und von den Bakterien das Bacterium xylinum. Die intensive Vermehrung dieser Mikroorganismen unterdrückt auf jedem Nährboden deutlich die Verbreitung anderer Hefe- und Bakterienarten.(...) Die antimikroben Eigenschaften der Stoffwechselprodukte des Teepilzes entstehen durch spezifische Stoffe antibiotischer Natur, die in ihnen enthalten sind."

Dr. M. Bing (1928) erwähnt in "Die medizinische Welt", daß sich die von dem Teepilz gebildete Säure energisch hemmend (antagonistisch) gegen Fäulnisbakterien und Schimmelpilze auswirkt. Er schreibt: "Solche in die Kultur verbracht, sterben rasch ab. Sehr instruktiv ist es, wenn Schimmelpilze in die Kultur derart verbracht werden, daß sie vom Rande des Kulturgefäßes herabfließen. Sie gedeihen dann zu kräftigen Kolonien oberhalb der Grenze der Nährflüssigkeit, endigen aber mit einem scharfen Strich an dem Berührungsmeniskus." Nach Bing unterstützt der Antagonismus gegen die Fäulnisbakterien auch die Unterbindung der Darmfäulnis.

Prof. G. Sakarjan und Dozentin L.T. Danielova (1948), die den Teepilz eingehend erforscht hatten, berichten über ihre Ergebnisse: "Als Antibioticum unterscheidet sich der Medusomyces Gisevii (so hatte G. Lindau 1913 den Teepilz genannt) vorteilhaft von anderen Antibiotica bakteriellen und pilzartigen Ursprungs, denn zu seiner Züchtung sind keine sterilen Kautelen einzuhalten. Der Pilz wächst offen bei freiem Zutritt von atmosphärischer Luft. Dabei bleibt die Nährlösung, auf welcher der Pilz gezüchtet wird und zu dem die Mikroorganismen der Luft freien Zutritt haben, durchsichtig und verschmutzt nicht."

Man wird dem Kombuchapilz heutzutage diese ungünstigen Extrembedingungen, die Sakarjan und Danielova zu Versuchszwecken schufen, gar nicht zumuten. Sie sagen jedoch viel aus über die Robustheit, die Lebenskraft, die Regenerationsfähigkeit und die genialen Selbstschutzmechanismen des Kombuchapilzes, selbst unter nicht optimalen Bedingungen.

Beim Kombucha-Pilz arbeiten eine Reihe von Selbstschutzmechanismen Hand in Hand: niedriger pH-Wert, Alkohol, Kohlensäure, antibiotische Stoffwechselprodukte - all das zusammen hemmt artfremde Mikroorganismen, die nicht wie die Kombucha-Mikroorganismen an dieses Milieu adaptiert sind.

Wenn ich all diese Publikationen und Erkenntnisse von Leuten, die kein wirtschaftliches Interesse am Verkauf von Fertig-Kombucha hatten, sowie meine eigenen Erfahrungen und Erforschungen ins Kalkül ziehe, dann kann ich die Warnung vor der unproblematischen Selbstherstellung des Getränks nicht verantworten. Unproblematisch ist die Zubereitung dann, wenn man sich an erprobte Rezepte hält und die angemessene Sorgfalt berücksichtigt.

Wenn den Menschen gezeigt wird, wie sie die richtigen Bedingungen schaffen können - dann besteht keinerlei Grund (außer wirtschaftliche Gesichtspunkte), die Menschen vor der Selbstherstellung des Kombuchatees zu warnen.

Ich bin der Überzeugung, daß derjenige, der es will, sehr wohl mit dem Teepilz umgehen kann - so wie er mit anderen "offenen Lebensmitteln" in seinem Haushalt auch umgeht. Natürlich können, wie bei anderen Lebensmitteln auch, Störungen und Schädigungen auftreten, wenn nicht ordentlich und artgemäß gearbeitet wird. Niemand kommt deshalb auf die Idee, vor der Selbstherstellung von Sauerkraut, Kartoffelsalat, Marmelade oder ähnlichem zu warnen. Dabei ist die Gefahr der Kontamination bei diesen oder anderen Nahrungsmitteln weitaus größer, weil sie nicht über die dem Kombucha-Pilz eigenen Selbstschutzmechanismen verfügen (siehe auch "Ärztliche Praxis" 42 Nr. 17 vom 27.02.90, Seiten 1, 7 und 8, wo über "Bakterien-Brutstätten" in Mischsalaten berichtet wird). Wenn man dieses Problem aufgreifen will, dann muß man bei anderen Lebensmitteln ansetzen, jedoch nicht bei dem "unschuldigen" Teepilz.

Zum Schluß noch eine Stimme aus neuester Zeit: Frau Dr. Helga Schröder (1989), eine Mikrobiologin aus der DDR, mit der ich in Verbindung stehe, schreibt 1989 in "Deine Gesundheit" Heft 7/1989 in einem Beitrag über den Kombuchapilz: "Zusammenfassend läßt sich sagen, die milchsauren Symbiosen von Hefen und Milchsäurebakterien sind unschädlich, die Menschheit genießt sie seit Urzeiten, ohne daran Schaden zu nehmen." Frau Schröder spricht von der in der DDR praktizierten häuslichen Selbstherstellung.

Die erwähnten Quellen habe ich in der Anlage aufgeführt.

Ich wäre Ihnen sehr zu Dank verpflichtet, wenn Sie mir mitteilen könnten, auf welche Forschungen und Quellen Sie Ihre Warnungen vor der Selbstzubereitung des Kombuchatees gründen. Ich lasse mich mit fundierten Beweisführungen gerne überzeugen und lerne gerne dazu.

Ich freue mich auf Ihre Antwort und danke Ihnen für Ihre Mühe!
Mit freundlichen Grüßen

Günther W. Frank                             Anlage: Quellenverzeichnis


Quellenverzeichnis

BAZAREWSKI, S.: Über den sogenannten "Wunderpilz" in den baltischen Provinzen. Correspondenzblatt Naturforscher-Verein (Riga) 57, (1915), 61-69

BING, M.: Heilwirkungen des "Kombuchaschwammes". Umschau 32 (1928), 913-914

BING, M.: Der Symbiont Bacterium xylinum - Schizosaccharomyces Pombe als Therapeutikum. Die medizinische Welt 2 (42), 1576-1577, (1928)

FRANK, G.W.: Kombucha - Das Teepilzgetränk, 3. Auflage, 176 Seiten, Steyr 1990

KONOVALOV, I.N. u. M.A. LITVINOV u. L.M. ZAKMAN: Izmenenie prirody i fiziologiceskih osobennostej cajnogo griba (Medusomyces Gisevii Lindau) v zavisimosti ot uslovij kul'tivirovanija. - Bot. Zurnal (Moskava) 44 (3/1959), 346-349. (Die Veränderungen der Natur und der physiologischen Eigenschaften des Teepilzes (Medusomyces Gisevii Lindau) in Beziehung zu den Bedingungen des Kulturmilieus).

ROOTS, H.: Teeseeneleotise Ravitoimest. Noukogude eest tervishoid (Talin, Estland), (2/1959), 55-57 (Die Heilkräfte des Teepilzes).

SAKARJAN, G.A. u. L.T. DANIELOVA: Antibioticeskie svojstva nastoja griba Medosomyces gisevii (cajnogo griba). Soobscenie 1. - Trudy Erevanskogo zooveterinarnogo Instituta, 10 (1948), 33-45. (Die antibiotischen Fähigkeiten des Aufgusses von Medusomyces gisevii (Teepilz), 1. Mitteilung).

SCHRÖDER, H.: Teepilz und japanische Kristalle. Deine Gesundheit (Berlin, DDR) Heft 7/1989, 29-30

SCHRÖDER, H.: Die japanischen Meereskristalle. Brandenburgische Neueste Nachrichten (DDR) vom 8.5.1989, Seite 6.


There is not enough darkness in the whole world
to extinguish the light of a small candle.


Zitat aus einer schulmedizinischen Zeitschrift
Medical Tribune Nr. 22 vom 30.Mai 1997, Seite 18

"So hangen Ärzte mehr am Säckel, als daß sie zum Heil der Kranken geneigt sind. Das kommt eben von dem vermaledeiten Pomp und der Hoffart der Ärzte, die mehr aus sich selber machen, als in ihnen ist, die ihren Apparat über die Kunst setzen. Das sind gerade die Ärzte, die keinem andern was gönnen, und deren Bescheisserei so groß ist, daß sie eher ihre Patienten sterben als ihn durch einen Kollegen gesund werden lassen.
Wer hingegen aus der Natur wirkt, der wird auch lernen, aus der Kraft der Natur dem Tod wie allem zukünftigen Übel zuvorzukommen."


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